Ein Besuch in der Cloud.

Bevor ich einen Besuch in einem der grĂ¶ĂŸten Rechenzentren der Niederlande brachte, hatte ich einen philosophischen Moment. Es kamen allerlei Fragen auf, wie –

Was ist die Cloud? Wo kommt er Begriff Cloud eigentlich her? Wie wirklich kann man in der Cloud sein? Bin ich schon in der Cloud?

Kurz zum Hintergrund: Es wurde ein Oracle Partnertag organisiert bei der Firma Equinix. Dieses Unternehmen betreibt mehr als 100 Datacenter auf der ganzen Welt und bietet DatenkonnektivitĂ€t und Rechenzentruminfrastruktur fĂŒr Telekommunikationsbetriebe, Internetanbieter aber auch andere Firmen wie Banken und Versicherungen an.  Ich war eingeladen mal einen Blick darauf zu werfen, wie das so zugeht in einem Rechenzentrum.

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Abbildung 1: Rechenzentrum in Amsterdam (Bild mit freundlicher Genehmigung der Firma Equinix)

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Wir sprechen heutzutage immer öfter von der Cloud und daher habe ich mir mal einige Gedanken zu diesem gemacht  und in diesem Blogbeitrag niedergeschrieben.

Schon vor Jahren kamen ein oder mehrere gezeichnete Wolken in unseren EPM ArchitekturĂŒbersichten vor. Diese Wolken symbolisierten abstrakte Netzwerkbereiche oder allgemein das Internet.

In der technischen Sicht der Architektur gab es dann eine Datenverbindung in diese Wolke hinein. In der funktionalen Sicht  wurde beschrieben welche Datenbewegungen in die Wolke gingen und/oder aus dieser heraus kamen.

Es passierte etwas in der Wolke, aber was, das wurde nicht weiter erlĂ€utert und blieb unsichtbar. Was dort wie vorging war fĂŒr die Architektur dann auch nicht weiter wichtig.

 

Wenn man willkĂŒrlich IT Fachleute befragt, was die Cloud ist, dann bekommt man vielfĂ€ltige Antworten. Der Begriff „Cloud Computing“ ist noch jung und meiner Meinung ist eine gute Definition: Cloud Computing ist das Speichern von Daten oder ausfĂŒhren von Programmen in entfernten Rechenzentren, die nicht zur eigenen Firma oder sich selbst gehören.

Über ein Netzwerk werden von einem Dienstleister bestimmte Aufgaben wie RechenkapazitĂ€t, Datenspeicher, NetzwerkkapazitĂ€ten und auch fertige Software an Anwender in abstrahierten IT-Infrastrukturen (Rechenzentren oder Datacenter) zur VerfĂŒgung gestellt

Der Kern ist ein Netzwerk, denn es bietet einerseits Zugang zu dem Dienst, wie der Oracle Planning und Budgeting Cloud Service, aber kann auch der Dienst selbst sein, Zugriff auf externe Datenspeicher oder Telefonie. Ist damit das Internet eine Cloud? Ja, aber nicht die Cloud, denn es gibt mehr.

Bin ich  dann schon in der Cloud?

Wenn der Datenspeicher nicht auf dem eigenen Rechner liegt, dann befindet sich dieser schon in der Cloud. Viele kennen Dropbox, OneDrive, iCloud oder Picasa und verwenden es tĂ€glich und sind damit schon tĂ€glich in der Cloud. Wer hat sein Facebook oder XING auf seinem eigenen Rechner? Es wĂŒrde nicht viel Sinn machen, hiervon eine lokale Version vorzuhalten. Habe ich schon Microsoft Office 365 und was ist davon lokal installiert? Was ist mit meinem Gmail Account? Ja, ich bin also sicherlich in der Cloud.

Das gilt auch fĂŒr Firmen. Viele denken, sie sind noch nicht in der Cloud, haben aber keine eigenen Kabel fĂŒr ihre Internetanbindung und Telefonie. Diese werden schon seit Jahren bei externen Dienstleister angemietet. So haben Firmen feste Standleitungen zwischen großen Filialen, um eine gute und sichere Datenverbindung sicherzustellen. Diese werden meistens nicht von eignen Mitarbeitern betreut, wenn man nicht gerade ein Telekommunikationsunternehmen ist. Nein, diese laufen durch Rechenzentren, deren Leistung wird vertraglich von externen Anbietern ĂŒberwacht.

 

Das nebulöse der Cloud.

Man weiß es ja nicht
 es könnte ja sein
. sind AusdrĂŒcke von Unsicherheit und oft verbunden mit der Cloud. Nach meiner Meinung auch gerechtfertigt! Das, was man aus HĂ€nden gibt, ist ein großes Gut, oft das Kapital einer Firma oder seine eigene PrivatsphĂ€re. Dieses rechtfertigt auch, dass es fĂŒr bestimmte Bereiche gesetzliche Vorschriften gibt. Diese IT-Compliance gibt es fĂŒr den Anbieter, aber auch fĂŒr den Kunden. So gibt es verschiedene Gesetze, die das Regulieren wie das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Aber es gibt auch freiwillige Maßnahmen fĂŒr die IT-Sicherheit, die in dem Sicherheitsstandard ISO 27001 festgelegt und ĂŒberprĂŒft werden.

BĂŒrger und Manager sollten sich aufklĂ€ren lassen, bzw. sich in diesen neuen Entwicklungen fortbilden, bevor diese zum Einsatz kommen oder die Dienste in Anspruch genommen werden. Denn nur dann sind die Risiken zu erkennen und werden ĂŒberschaubar. Letztendlich ist das notwendig, um das Vertrauen in einer Cloud Lösung zu bekommen.

 

Meine Erfahrungen im dem Rechenzentrum

Das GebÀude von Equinix liegt auf dem Campus der UniversitÀt von Amsterdam, direkt neben dem GebÀude von SURFsara (https://surfsara.nl/), wo die erste transatlantische Netzwerkverbindung zustande kam. Heute ist dieser Internetknotenpunkt eines der am dichtesten verkabelten Gebiete der Welt.

Also in diese Welt war ich eingeladen
 nach der Anmeldung und der Kontrolle des Personalausweises konnten wir unter Aufsicht eines Mitarbeiters von Equinix in einer sehr kleinen Gruppe in das GebĂ€ude hinein. Hier gab es verschiedene Pforten und eine Schleuse, die nur mit Zugangskarte und einer biometrischen Zugangskontrolle geöffnet werden konnte. Dann kamen wir in eine Halle, und das erste was auffiel war: es war sehr warm drinnen. Normalerweise nehme ich meine Jacke mit, wenn ich bei Kunden im Serverraum arbeiten muss, aber hier wĂ€re ein Hemd ausreichend gewesen.

Die Halle war mit MetallzĂ€unen unterteilt, die von der Decke bis unter dem Fußboden verlaufen. Siehe auch (Abbildung 2). Hierdurch gibt es eine Art Kellerbox, die Kunden mieten und selbst weiter einrichten können. Kunden wie Oracle stellen dann hier ihre Server hin und verbinden diese mit den Netzwerken, die hier zusammenkommen.

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Abbildung 2: Gang in dem Rechenzentrum (Bild mit freundlicher Genehmigung der Firma Equinix)

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Abbildung 3: Mitarbeiter bei der Arbeit im Rechenzentrum (Bild mit freundlicher Genehmigung der Firma Equinix)

Eine solche „Kellerbox“ eines Kunden kann mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet sein. So gibt es SchleusentĂŒren mit weiterer Verifizierung der Person (Iris-scanner, Fingerabdruck, etc. ), digitale Kameras mit automatischer Bildauswertung und vieles mehr.

Die Server in einem solchen Kundenbereich stehen in 2 Reihen mit der Vorderseite der Maschinen einander zugewandt. Der Gang zwischen diesen war mit einer SchiebetĂŒr verschlossen. Die Oberseite des Ganges war mit Plexiglas abgeschlossen und die RĂŒckseite der Server, dort wo die Netzwerkkabel sind, war offen.

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Abbildung 4: Rechneraufstellung (Bild mit freundlicher Genehmigung der Firma Equinix)

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Abbildung 5: Mitarbeiter beim aufstellen der Rechner (Bild mit freundlicher Genehmigung der Firma Equinix)

Wenn man die SchiebetĂŒr öffnete, kam mir direkt die kalte Luft einem entgegen. Die kalte Luft wurde mit einem leichten Überdruck aus Gittern im Boden in diesen kleinen Raum geblasen und durch die Servermaschinen gefĂŒhrt. Hierdurch wĂ€rmte sich diese Luft auf und die Server wurden gekĂŒhlt. Die warme Luft wird abgefĂŒhrt und in der UniversitĂ€t als Heizung verwendet.

Die Luft wird stĂ€ndig kontrolliert mit supersensitiven Sensoren, um Verunreinigungen durch Feuer und Rauch zu entdecken. Wenn ein Sensor ein Problem feststellt, wird mit Wassernebel dieser Bereich besprĂŒht. Argon Gas wird nicht mehr eingesetzt wegen der Kosten und der Umwelt. Die IT Fachleute sollten als nicht zu viel Rasierwasser auftragen, denn sonst schlĂ€gt der Luftsensor an!

Auch die Stromzufuhr kommt von unten an die Server heran. Die Netzwerkkabel aber laufen durch SchÀchte an der Decke entlang. Hierdurch sind Interferenzen durch Magnetismus verhindert. Aber dieses Problem gibt es ja nur bei Kupferkabel und nicht bei Glasfaser.

Wie alle Rechenzentren, hat auch dieses einen Redundanzstandort in Almere. Das Rechenzentrum bekommt aus 2 Stromnetzwerken seine Energie geliefert. Wenn der Strom mal ausfallen wĂŒrde, wird fĂŒr eine kurze Zeit auf Batterien umgeschaltet die auch im Normalbetrieb die Stromschwankungen auffangen. Kurz danach starten riesige Generatoren, um die Stromzufuhr zu ĂŒbernehmen. Diese sind mit einem Dieseltank mit einem Inhalt von 150.000 Liter verbunden. Mehr konnte man nicht lagern, denn dann hĂ€tte man eine Lizenz fĂŒr eine Tankstelle haben mĂŒssen und Tankstellen sind auf dem Campus nicht willkommen.

Equinix hat unter anderem auch Rechenzentren in DĂŒsseldorf, Frankfurt, MĂŒnchen, Genf und ZĂŒrich. Auch dort werden ab und zu FĂŒhrungen organisiert und Sie können sich an Herrn Volker Keßler wenden fĂŒr mehr Informationen.

Es war ein interessanter Nachmittag in dem ich wieder einiges von Rechenzentren und wo die Cloud ist, gelernt habe.

Ihr Philip Hulsebosch.

philip.hulsebosch@hyperionimklartext.de

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